Norbert Bayers Tumblelog Just Another Photo Diary, auf dem er jeden Tag ein Foto veröffentlicht, bildet die Keimzelle der Ausstellung Négatif Agentif. Die 'alltäglichen' Momentaufnahmen werden nun zur Quelle von Assoziationen und Verwandlungen: Bayer extrahiert winzige Details aus diesen Bildern und überträgt diese in Ministeck-Mosaike aus Plastik. Abbildungen dieser Motive wiederum finden sich - wie auf einer Imagewall im Internet angeordnet - auf einem Plakat, das als Installation präsentiert wird.

Panta rhei - nichts bleibt, wie es ursprünglich war, alles entwickelt und verändert sich: Perspektiven werden verschoben, unausgesprochene wiewohl schwelende Diskrepanzen und schwebende Konflikte innerhalb der Ausstellung heraufbeschworen, die Beständigkeit des Gezeigten in Frage gestellt.

Die Spaltung innerhalb der einzelnen Komponenten überlagert dies alles noch: Ablichtungen erscheinen als zwei parallel laufende Diashows, bei denen die zu Bild-Paaren gebündelten Negative auf die Projektoren verteilt sind. An anderer Stelle wird ein Bild in einem Video vergeblich vervollständigt, ein anderes fortlaufend umarrangiert. Was zusammengehört, wird getrennt, und was sich widerspricht, wird zusammengeführt.

Alles entspringt einem dualistischen Geist, der scheinbare Gewissheiten als nicht stichhaltig entlarvt. Stell dir ein Rad ohne Nabe vor - was würde aus dem Rad?
Das Archiv verliert sein Gedächtnis und jede Erinnerung entspringt der Phantasie - das "if this, then that" wird zum "if when why what".

Gruss aus Beijing für Norbert
Zum 12. Juni 2011
Künstlergespräch im Künstlerhaus Frise
Norbert Bayer mit Naoko Kaltschmidt

"Alles entspringt einem dualistischen Geist, der scheinbare Gewissheiten als nicht stichhaltig entlarvt. Stell dir ein Rad ohne Nabe vor – was würde aus dem Rad? Das Archiv verliert sein Gedächtnis und jede Erinnerung entspringt der Phantasie – das "if this, then that" wird zum "if when why what"."
"Jede Erinnerung entspringt der Phantasie" – aus Norberts Ankündigung seiner Ausstellung in der FRISE – finde ich super anregend. Borges' Relativierung des Archivs habe ich immer sehr bewundert. Nichts ist schlimmer als alles zu archivieren, nichts befreiender als in seiner Archivierungswut korrigiert zu werden vom anarchistischen Fluss der Phantasie. Und nichts befreiender als auch mal Dinge untergehen zu lassen, manches erledigt sich einfach von selbst. Archive als rationalisierende Messie-Syndrome hat Kafka eindrucksvoll beschrieben.

Die Ausstellung, soweit ich es dem hochkomprimierten Quicktime Video entnehmen kann (in Beijings Norden, einem brand new Real-Estate-Komplex für ca. 1,5 Mio. Leute, ist das Netz leider noch nicht so doll), finde ich sehr amüsant und gelungen, ganz leicht und selbstverständlich, aber mit Klugheit und Beweglichkeit gespickt. Bin dann auf die Seite Just Another Photo Diary gegangen, habe dieses Foto zum 6. Mai 2011 rausgezogen. – zwei Augen, wie zwei Ministeck-Löcher, wo man Augen einsetzen kann... Danach bitte nicht mehr rausziehen, sondern stecken lassen wie ein Ministeck.

Weswegen ich jedoch auf dieses Bild gestoßen bin, war noch was anderes. Die Null haben die Araber ins europäische – vielleicht auch weltweite – Spiel gebracht, ebenso das Schachspiel – wie sind sie aber auf die Form gekommen? Oder hat die Null bei ihnen eine andere Form? Anyway, die Null allein bringt nix, Fülle (Kreis) und nichts (Leere) sind eins, ein Rad ohne Nabe. Die Null multipliziert alles zu nix, addiert vermehrt sie jedes Etwas, bis hin zu Zahlen, die Hochrechnungen für Shareholders exaltieren – und, wie beim beweglichen Ministeck auf einem Schachbrett, wo die Basisnullen des jeweils anderen – L'Autre im Zirkulationsdiskurs – zur Basis eines neuen Pas de deux das laufen lernen – bringen die Pixelextravaganzen von Mister Ministeck immer neue Metamorphosen zustande. Nix bleibt wie es ist – Schnitte in Pixelsampelprints bringen die Fadendimension ins Spiel, und zugleich jenes unkontrollierbare Chaos, das sich der externen Position jedes Betrachters verdankt. Nicht wie beim Fussball - 0 zu 1 – sondern wie im 'wirklichen' Leben: Ständig läuft die Phantasie den Schnitten hinterher, sie durchkreuzend.

Ursula Panhans-Bühler
Beijing 12. Mai 2011
High noon - 6 Uhr morgens FRISE time

Installation aus dem zur Ausstellung erschienen Poster

Durch Camera Tossing entstandene Fotoserie (links)
Orginale der auf dem Poster abgedruckten Bilder (rechts)

Zwei parallel laufende Diareihen mit Motiven aus Norbert Bayers Tumblelog Just Another Photo Diary

Zwei Videoloops

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50cm x 70 cm | 4/0-farbig | 135g Bilderdruck glänzend

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Poster "Negatif Agentif"

1. Station

im Rahmen der Ausstellungsreihe
RAPID RABBIT – BESCHLEUNIGTE BILDWELTEN
im Künstlerhaus Frise
Arnoldstraße 26, Hamburg

Öffnungszeiten:
08.06.2011, ab 20h | Eröffnung
12.06.2011, 16-18h | Künstlergespräch
moderiert von Naoko Kaltschmidt


2. Station

PARA-PAVILLON
kuratiert von Norbert Bayer | 白宁瑞

29. & 30. Oktober 2011

ORGANHAUS Chongqing, China
Organhaus, 501 Art Space.
Huang Jueping
Jiu Longpo District
Chongqing, 400053
PR China

Teilnehmende Künstler:
Anne-Katrin Ahrens
Sarah Bohn
Frank de la Barrera
Françoise Cactus
John Francis Delaney
Vita Doll
Stefane Gruber
Nele Heitmeyer
Lisa Herfeldt
Alexander Hoepfner
Annika Kuhlmann
Gustav Mechlenburg
Doro Petersen
Pil and Galia Kollectiv
Julia Pfaller
Sabine Richter
Hank Schmidt in der Beek
Sonya Schönberger
Christoph Westermeier
Christof Zwiener



Mit freundlicher Unterstützung
der Kulturverwaltung des Landes Berlin

Norbert Bayer
nb@norbertbayer.de
www.norbertbayer.de

© 2011 Norbert Bayer

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